Daniel Duc in Marokko -

ein Reisebericht

(26.3. - 24.4.2003)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

E-Mail-Liste zum "anklicken":

 

E-Mail 1: Sent: Wednesday, March 26, 2003 4:16 PM

E-Mail 2: Sent: Monday, March 31, 2003 12:29 AM

E-Mail 3: Sent: Tuesday, April 01, 2003 5:06 PM

E-Mail 4: Sent: Friday, April 04, 2003 1:50 PM

E-Mail 5: Sent: Wednesday, April 09, 2003 9:59 PM

E-Mail 6: Sent: Sunday, April 13, 2003 8:25 PM

E-Mail 7: Sent: Saturday, April 19, 2003 1:45 PM 

E-Mail 8 Sent: Thursday, April 24, 2003 10:29 PM

 

 

E-Mail 1

Sent: Wednesday, March 26, 2003 4:16 PM

Ssalem aleikum

 

Schon die Tastatur (arabische Zeichen) vor mir bestätigt meinen fortlaufenden  Kulturschock, von dem ich mich nun langsam erhole.

 

 

 

Als ich gestern aus meinem Hotel mitten in der Medina (Altstadt) von Essaouira  stand, dachte ich nach einer Weile Verwirrung; ok Schnitt, ihr könnt alle eure Kostüme wieder ausziehen, die Kulisse abbrechen, wir kehren zurück  zur Normalität! Aber ich kann mich kneifen und schlagen solange ich will, es ist kein Traum, sondern Tatsache: ich befinde mich in Marokko und es ist unbeschreiblich chaotisch, gegensätzlich, verwirrend, faszinierend, sinnlich, stinkig, zauberhaft, dreckig, freundlich, abweisend, einladend, kurz: its just crazy!!!!

 

 

 

Das ganze begann schon mit der Hinreise. Wenn ich mir im Nachhinein vorstelle,  was ich mit einem gewöhnlichen Flug an Strapazen und Erlebnisse verpasst  hätte.....28 Stunden dauerte die Reise bis nach Südspanien, vier Tage bis  nach Essaouira...... mit viermal umsteigen im Zug, Fähre in der Meerenge von Gibraltar ewige Busfahrten über Land in Marokko und zu beginn immer  wieder dieser dunkelhäutiger Typ: Nach Genf im Zug, an der Zugbar wieder ein Lächeln, ganz ausser Atem im gleichen Couchette Wagen Richtung Barcelona, und Tatsächlich um 7 morgens verpennt am Bahnhof von Cordoba! „Are you following  me?????”  “No, im just making the same Trip!!!” Ohne Kohl: Abdelatif ist in St. Gallen  in den gleichen Zug eingestiegen mit Destination Essaouira, Maroc wie ich!!!!  Nun hatte ich also einen Reisebegleiter, mehr noch einen Führer und Kulturvermittler:  Allah schickt mir einen Engel!!!!! (Vielleicht sollte ich doch ein Buch schreiben, da ich feststelle das es wirklich schwer ist dies alles zu erzählen und zusammenfassen.)

 

 

 

Kurz, wir sind nun im gleichen Hotel abgestiegen, trinken gemeinsam Münzentee, erzählen aus unserem Leben und vergleichen dabei immer wieder unsere Kulturen. Aber unsere Beziehung ist nicht nur die gemeinsame Reise sondern die Leidenschaft:  Musik!!! Er wird hier in Marokko so zu sagen als Star gefeiert. Er ist Singer and Songwriter mit Band, CDs, TV-Auftritten etc..... Es ist wirklich ein Geschenk, da er mich u.a. auf unsere Hinreise zu seiner Familie in Casablanca  mit Essen und Übernachtung (parfümierte Kissen) einlud echt marokkanische Gastfreundschaft!!!! Er bringt mich hinter die Kulissen des Alltags dieser Kultur in Kontakt, dort wo sich das wirklich marokkanische Leben abspielt.

 

Fürs Erste mach ich hier mal einen Punkt. Ich schicke euch allen meine besten Wünsche nach Hause und Inshallah (so  Gott will) berichte ich wieder über weitere Erlebnisse aus dem Land der 1001 Geschichten.

 

Daniel

 

E-Mail 2

Sent: Monday, March 31, 2003 12:29 AM

Salam Allahikum everybody

 

Ich befinde mich in der Zwischenzeit im Epizentrum des marokkanischen Wahnsinns: MARRAKESCH.

 

 

 

Soeben habe ich auf diesem Wahnsinnsplatz; wo sie innerhalb einer Viertelstunde ganze Restaurationsbetriebe aus dem nichts hervorzaubern diese irrsinnigen Oliven (fast so gut wie Zuhause) und Spiessli mit Zutaten alles frisch zubereitet und super fein gewürzt. Nein es ist einfach eine sinnliche Überforderung: Gerüche von gebratenem Fleisch gemischt mit Räuecherstäbchenessenzen, Marokkaner und Marokkanerinnen von westlich modern bis traditionell, die halbdutzend Musikgruppen, die sich gegenseitig zu übertönen versuchen und dann der Gipfel: "ALLAAAHH" von einem Moschee-Turm der den ganzen Platz übertönt. Marokko musst du lieben oder hassen; mein Herz hat sich fürs erste
entschieden!!

 

Fast nichts, was man über diese Menschen erzählt stimmt! Manchmal komme ich mir ein wenig wie " der, der mit dem Wolf tanzt" vor. Man begegnet einem Land und dessen Leute mit den üblichen Vorteilen, um immer mehr festzustellen, dass 9 von 10 Behauptungen falsch sind!

 

 

Klar, wenn ich als Tourist durch die Souks laufe werde ich auf allen Seiten angequatscht; klar hat einer versucht mit überhöhtem Preis mir irgendwas anzubieten; klar hat einer nach vereinbartem Preis weniger als abgemacht herausgegeben; aber eben sie sind gesunde Schlitzohren und tüchtige Händler! Die, die reinfallen sind selber schuld, den sobald man ihr Spiel durchschaut hat, geben Sie es meist mit einem Handschlag zu verstehen, dass du in Ordnung bist!! Schlechte Charakter gibt es überall. Meine Begegnungen sind gekennzeichnet von einer freundlichen sehr respektvollen Art im Umgang. Es herrscht ein überaus taktvoller und achtsamer Umgang auch mit Fremden und so kommt man überall immer wieder ins Gespräch mit Marokkanern, die sich sehr interessiert zeigen über Europa und unserer Kultur.

 

 

In der Zwischenzeit bin ich ein wenig erkältet, was mit dem leider bisher nicht sehr günstigem Klima zu tun hat! In Essaouira blies ein kühler und feuchter Meereswind und nach 4 Tagen "demain I'll ferra beaux" Stimmung, hab ich mein Zeugs gepackt und bin Hals über Kopf mit diesem Wahnsinnsbus Richtung Marrakesch aufgebrochen! Hier hocke ich mit den echten Rucksachtouristen in einem Hotel (8 Euro die Nacht!!) mit einer wahnsinns (schon wieder.....) Aussicht über Marrakesch und diesem eindrücklichen Sonnenuntergang über der Stadt!! Ja das Wetter wird besser und dieses trockenen Klima tut meinen Bronchien zunehmend gut :) Ich wünsche allen frohe Tage und schaffet noed zviel!

 

Abdelduc

 

E-Mail 3:

Sent: Tuesday, April 01, 2003 5:06 PM

 

Liebe Freunde


Manchmal tut es Weh und stimmt einem traurig diese Ungerechtigkeit anzusehen!! Ich auf der einen Seite: Touri mit vollem Portemonnaie, Hotelzimmer und allem drum und dran!! Auf der anderen Seite Kinder, die für ein paar Diram etwelche Dienste anbieten, oder halt wie viele ältere Leute in diesem Land betteln!!


Da sitzt man in einem Strassencafe und beginnt ab diesen Zuständen an zu weinen!!! Gut meine Haut ist heute auch nicht die dickste! Mich hat’s voll erwischt!! Zuerst dieser Husten, dann noch Durchfall und alles begleitet von einer völligen Appetitlosigkeit! Die hat vielleicht auch mit dem plötzlichem Sommereinbruch in dieser Stadt zu tun! Gestern mass man zu meinem Erstaunen ganze 38° in Marrakesch!! Aber eben eine trockene Hitze; ich hab’s fast nicht geglaubt!! Zur Beruhigung aller fürsorglichen (mütterlichen) Gefühle, ich bin sozusagen schon über den Berg!!! Hab soeben eine Pizza gegessen; was für eine Wohltat nach all diesen Tangin; werde nochmals eine Massage mit Spezialkräutern reinziehen, super wohltuend, und mir einen weiteren geruhsamen Tag gönnen weit weg von labyrinthaften Souks (Marktgassen).

 

Ich hoffe, dass ich bis zum dritten April wieder voll auf den Beinen bin, um meinen Wüstentrip anzutreten.... ansonsten verschieb ich ihn um einen Tag oder so; Inshallah. Gerade wegen dem treffe ich nun Hamid, meinen zweiten marokkanischen Schutzengel (Reiseorganisator), um das weitere Vorgehen zu besprechen!! Ich Muess!!

 

Bis bald

 

Abdeldaniel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

E-Mail 4:

 Sent: Friday, April 04, 2003 1:50 PM

 

Labas mes amis

Dieser scheiss Krieg! Seit meiner Abreise laufen in allen Cafes Fernseher mit den Gräuelbildern und EndlosInterviews, so wie ihrs ja Zuhause sicherlich auch mitbekommt! Die Menschen sind über diesen Zustand sehr betroffen und es herrscht eine fühlbare Bedrucktheit, die auch mich immer wieder erfasst, über dieses Land. Ihr Mitgefühl gilt den Menschen im Irak, mit denen sie sich als Araber selbstverständlich identifizieren. Was können arme Familien, Alte und Kinder dafür, bestätigen sie immer wieder. Verurteilen tun sie im Gegenzug niemanden ausser den Machthaber; all diese Bushmänner mit Keulenreflex!!

 

 

Ich habe in der Zwischenzeit meine Weiterreise angetreten und durfte im Range- Rover (Schutzengel fahren hier auch Auto) über den hohen Atlas Richtung Ouarzazte driven! Das ist glaub ich das treffendste Wort um den marokkanischen Fahrstil zu beschreiben, aber wie vieles im Leben, man gewöhnt sich daran!! Übrigens, erstaunlich wie wenig Unfälle sich bei diesem Neben-, besser Durcheinander von Fussgängern, Eselskarren, Pferdekutschen, Velos, Töfflis Autos, Taxis, Busse, Lastwagen ereignen! Wichtigstes Utensil: die Hupe!! Fährst kaum eine Stunde Auto und du befindest dich auf einem Pass in 2260 Meter Höhe und es ist kalt! (Like in Switzerland!) Die Landschaft vom Atlas ist wiederum unbeschreiblich schön: Die dominierenden Farben sind Rot - die Erde- und GRÜN - die Vegetation-,  die hier schon weit fortgeschritten ist. Die Menschen hier sind vornehmlich Berber, die ein sehr karges Dasein fristen. Vielleicht sollte ich doch besser Leben sagen, denn sie scheinen dabei nicht Unglücklich, wahrscheinlich wie im "Valais" vor 100 Jahren. Nach einer Übernachtung fuhr ich dann zum ersten Mal mit Sammeltaxi Richtung Zagora. Da werden sechs Erwachsenen in ein Taxi, alles Marke Mercedes, gepfercht und erst wenn der Preis oder die Anzahl stimmt fährt man los!

 

 

Dann nur noch Steine, Steine und nochmals Steine. Karg, trocken leer aber nach der nächsten Abbiegung plötzlich GRÜN!! WOW!! eine Oase!! Aus diesem nichts! Plötzlich dieser Fleck Leben mit einem Halbduzend Lehmhütten und Ziegen.

 

 

In Zagora angekommen bin ich zum ersten mal in die klassische Touristenfalle reingeschlittert! Tee trinken im Laden und du kannst sagen was du willst, sie finden ganz bestimmt etwas, was du kaufen wirst oder am Schluss musst!! Aber Salim, der grosse Schwarze mit Djellebah und Turban, (laufen übrigens fast alle so herum hier, Farben Azurblau und Schwarz) bestätigt mir nach Einwilligung zum Geschäft: Weisst du die Turbans, die sind wie Postkarten, die verkaufe ich nur um die Kunden in den Laden zu locken!! Eben wenn sie dich ins Herz schliessen, hört das Spiel auf! Nun warte ich auf meine persönliche Karawane, die mich für vier Tage in die endgültige Öde oder ins Leben SAHARA führen wird! Sicher wird’s dort trocken, denn wenn du hier ins Nastuch schneuzt, ist es bis es am Boden fällt schon wieder gebrauchsfähig!! Da ich offline bin, verabschiede ich mich für etwas länger; wobei ich diesen geschäftstüchtigen Marokkanern auch ein Internetcafe "les dunes" zutrauen würde.

 

Sallam Allaheikum, everybody

 

Daniel

 

 

E-Mail 5:

Sent: Wednesday, April 09, 2003 9:59 PM

 

Wie ist die Wüste?

Heiss und trocken.

Was siehst du?

Sand und Steine.

Was machst du?

Laufen und liegen.

 

Daniel, wie ist die Wüste?

 

Die Wüste ist zauberhaft, mystisch, einnehmend, abschreckend, trostlos, unbarmherzig, anstrengend, befreiend, loslösend; kurz WUNDERBAR! In dieser Weite fühlt man sich wirklich mit dem Universum oder Nichts gleichzeitig verbunden! Und doch ist alles konkret: Die Hitze, die Trockenheit, der Wind der plötzlich aufbraust, der Sand in allen Farben von hell, fast weiss über alle möglichen Brauntönen bis ins Dunkle, fast Schwarze hinein. Steine kommen auch in allen Grössen, Farben und Varianten vor. Mann darf ja nicht beginnen etwelche zu sammeln, ansonsten bräuchte mann ein Dromedar nur für diese. S A H A R A .

 

 

Was siehst du da? Kombiniert man Sand und Stein in ihrer Vielfalt, so erhält man ein Mehrfaches ihrer Summe an Variationen. Ich wage zu behaupten, nie zweimal den gleichen Untergrund mit meinem Dromedar durchquert, keine halbe Stund das gleiche Bild wahrgenommen zu haben!

                                                                                              

Und dann kommt noch die reichhaltige Vegetation dazu. Das beginnt mit diesen kleinen verdörrten Büschchen, die sobald irgendwelches Wasser vorhanden ist in ihrem Grün sogar blühen. Daneben gesellen sich schon ganz stattlich Sträucher; ja sogar richtige Bäume wachsen plötzlich aus dem nichts heraus. Ansonsten Weite, Weite un(heimlich)endliche Weite. S A H A R A .

 

Was machst du da? Du staunst, sinnierst, meditierst, verlierst dich in Gedanken, um plötzlich durch einen Windstoss wieder ins hier und jetzt zurückgeholt zu werden; um von neuem über diese Wunderbarkeit zu staunen, zu sinnieren, zu meditieren, zu verlieren, ..........

Ich hab den Wechsel von Innen- und Aussenwelt noch nie so bewusst erfasst, wie in dieser Umgebung. S A H A R A.

 

Nach dieser tief bewegenden Erfahrung, schickt ich Euch allen von Herzen Grüsse

 

Daniel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

E-Mail 6:

 Sent: Sunday, April 13, 2003 8:25 PM

 

Labas? Becher! Hamdullah!

(Wie gehts? Gut! Allah sei dank!)

 

Ich lebe zur Zeit Kulturgeschichte lebhaft mit.

 

Nach der Wüste mit ihrer nomadischen Kultur bin ich ein wenig nördlich von Zagora, in Agdz bei einer sesshaften Berberfamilie abgestiegen. Sie betreiben hier in dieser Oase einfache Landwirtschaft und vermieten nebenbei Zimmer für Touristen. Da ich einziger Gast bin und sowieso eingeladen.... nehme ich hautnah am Alltagsleben der Sippe teil!

 

Die Häuser werden in unglaublicher Einfachheit gehalten. Boden und Wände sind aus gestampftem Lehm und die Decke aus Holzästen konstruiert. Mein Zimmer besteht aus einer Tür, einem Fenster und einem Bett. Einziger Luxus: Teppiche am Boden!

 

 

 

Wie schon gesagt ich bin nach drei Tagen schon fester Bestandteil der Gemeinschaft geworden, und muss auf der Hut sein, denn eine Schwester, Fatima, ist noch nicht vergeben. Obwohl ich ihnen erklärt habe, dass ich schon verheiratet bin, scheint sie das nicht so zu beeindrucken, denn hier sind mehrere Frauen noch gang und gäbe!!!!

 

"Mange, mange!" legen sie mir immer wieder nahe, denn damit verbringen wir mehr oder weniger den ganzen Tag! OK, mir kann’s ja nicht schaden!! Wir setzen uns um einen tiefen, runden Tisch auf den Boden, stellen die Schüssel mit dem Essen in die Mitte und nehmen gemeinsam mit Fingern und Brot das wunderbare Mahl ein. Dabei wird immer der Pfefferminztee serviert und diskutiert und gelacht!!

 

 

 

Morgen ziehe ich weiter langsam Richtung Meer. ( Fatima, bitte verzeih mir, vielleicht im nächsten Leben; Inshallah). Agadir heisst mein Ziel; ich weiss, voll touristisch mit Deutschen, Cars und so, aber ich hab einfach  nach all dem Sand und Steinen Lust nach Wasser; viel Wasser!!!

 

Haltet die Ohren steif (stimmt ist ja bald Ostern....) und lasst euch gut gehen!

 

Abduelduc

 

 

E-Mail 7:

Sent: Saturday, April 19, 2003 1:45 PM

 

"Grüss Gott" - Neckermann, Imholz und Ko(ni) lässt grüssen!

 

In der Hotelhalle laufen deutsche Schnulzen, man serviert deutsche Spezialitäten(.....) und kriegt sogar echten deutschen Filterkaffee!! Kurz, man tut hier in Agadir fast alles, um einen möglichen Kulturschock, geschweige denn Berührung,

mit dem Fremden zu vermeiden. Es gibt tatsächlich Leute in meinem Hotel, die landen mit dem Flugzeug, werden per PW ins Hotel transferiert, um dort ihre Woche Urlaub am Pool vor dem Hotel zu verbringen.

Einziger Kitzel: krieg ich den gleichen Liegestuhl wie gestern!! (Wird in herrgottsfrüh per Badetuch reserviert).

 

Auch ich geniesse für die paar Tage diese mitteleuropäische Bequemlichkeit in vollen Zügen: Liegestuhl am Strand, Brochetten zwischendrin und ein Bierchen zum Apéro!

 

 

Die Fahrt nach Agadir hat sich aufwendiger gestaltet, als ich angenommen habe!

 

Hier im Süden sind Sammeltaxis die schnellsten und meist die einzigen Beförderungsmittel. Neuer Rekord: 10 (zehn!) in einem Peugeot 504 und bei jeder grösseren Ortschaft muss das Gefährt wieder gewechselt werden.... Individualreisen kann anstrengend sein und braucht Geduld aber vom Erlebten möchte ich keines der Fahrten missen!!

 

Und dann die Landschaft! Nach Wochen von Brauntönen (abgesehen von Oasen) plötzlich ein zartes Grün, das sich vom Hintergrund abzeichnet, gefolgt von Büschen und Bäumen (Arganien, aus deren Früchten ein Öl, ähnlich Olivenöl, aber feiner gewonnen wird).

 

In diesem Augenblick wird mir lebhaft klar, warum man der Farbe Grün, Farbe der Hoffnung nachsagt. Spannend; nicht nur die Landschaft, auch die Djellaba und sogar die Taxis sind grün! Grün; Farbe der Hoffnung.

 

Ja, das braucht dieses Land wahrhaftig! Bei 80 % Arbeitslosigkeit bei der jungen Bevölkerung, keinen Anstellungsmöglichkeiten bei den Studienabgängern, einer lähmenden, korrupten Bürokratie, ähnlich anderen Exkolonialstaaten. Es ist manchmal frustrierend mit den Menschen hier zu sprechen, die ihr einziges Ziel darin sehen, möglichst bald diese Land zu verlassen.

 

Dabei ist Marokko nicht nur landschaftlich und kulturell, sondern gerade durch diese kommunikativen, intelligenten Menschen reich und verliert durch diese Abwanderung ihr Potential!

 

Das Meer naht; die Taxis werden blau; melancolie marocaine...

 

a bientot

Daniel

 

 

E-Mail 8:

Sent: Thursday, April 24, 2003 10:29 PM

 

 

"Attend, je doit mettre mes goutes!" ruft mein Führer alle paar Schritte...

 

 

Ich weiss nicht, ob es ein gutes Omen ist mit Brahim, lizenzierter Touristenführer mit Augenentzündung, in diesem Wirrwarr von Gassen, Gässchen und unendlichen Abzweigungen in der Medina von Fes mich fortzubewegen!

 

Die "Fes El Bali" übertrifft alles bisher durchschrittene! Ohne fremde Hilfe verliert man in diesem Labyrinth rasch die Orientierung. Durch die Steigung, beziehungsweise Gefälle, ist jeglicher Transport per Motor unmöglich, was zu aufwendigsten Mensch- oder Maultiertransporten führt. Meist gesehene Last: Coki-Kisten auf Eseln!!

 

 

Dies Strassenstruktur hat vielleicht auch mit der Geschichte dieser Stadt zu tun, denn es handelt sich um eines der ältesten Siedlungsformen, die heute noch in Marokko und in der arabischen Welt als spirituelles Zentrum angesehen wird. Dank dem Patronat der Unesco wird die Medina vor ihrem Verfall gerettet; höchste Zeit; denn gewisse Gebäude sehen stark Einsturzgefährdet aus, wobei dieses Auessere zusammen mit den vielfältigsten Manufakturen (Gerbereien, Töpfereien, Metallbearbeitung, etc) den mittelalterlichen Charakter unterstreicht.

 

 

"Ce que tu descends, tu doit remonter" erklärt mir Brahim sprachgewandt, wie so viele Marokkaner zur Orientierungshilfe.

 

 

Und so beschäftige ich mich  schon einige Tage mit meiner Rückreise, die ich bald antreten werde. Es ist wie bei der Sanduhr, zuerst denkst du, das geht nie zu Ende und plötzlich durchrinnen die letzten Sandkörner das Glas!! So werde ich meine letzte Reise Richtung Norden antreten und mich bald wieder in schweizerischem Alltag fortbewegen. Einerseits freu ich mich unheimlich meine Liebsten, in erster Linie Doris und Basil, in die Arme zu nehmen und anderseits werde ich dieses faszinierende Land mit all seinen warmen und so vielfältigen Menschen auch wehmütig zurücklassen ....

 

 

Alors Daniel, on remonte!

 

 

 

 

 

 

 

TODESANZEIGE

 

 

Am frühen Morgen des 22. Juli bist Du unerwartet und endgültig von uns gegangen.

 

 

Daniel Ambroise Duc

3.1.1961 bis 22.7.2004

 

Am vergangenen Donnerstag bist Du aufgebrochen,

hast neue Wege betreten

mit für uns verborgenen Horizonten und Ufern.

Wir vermissen Dich sehr.

Inshallah

 

Doris und Basil Duc

Gabriel und Rosemarie Duc

Aline und Rolf Zwahlen-Duc

Nathi und Martin Duc-Müller mit Celia

Elsbeth mit Lupo

Lutzi und Betti mit Morris

 

 

Die Gedenkfeier findet statt am Mittwoch, 28. Juli 2004 um 14.15 Uhr  

in der reformierten Kirche Wetzwil, 8704 Herrliberg.

 

Anstelle von Blumengebinden, gedenke man dem Hilfswerk Terre des Hommes.