Jubiläumsfeier 5 Jahre ISIS

Reportage

(publiziert im "Orient Magazin" 2/2002, Text: Marie-Anne Scherrer Nabila)

 

Am 2.2.2002 feierte das Tanzstudio ISIS sein fünfjähriges Bestehen! Schon Monate zuvor hatten die umfangreichen Planungen begonnen, um diesen Tag zu einem richtig grossen und schönen Fest werden zu lassen.

 

Am Nachmittag lockte eine bunte Palette von tänzerischen Darbietungen das Publikum zu einem Glas Pfefferminztee ins ganz in gold-gelb gehaltene Studio ISIS. Viele Tänzerin nutzten diese Möglichkeit, um ihren Lieben und Freunden zu zeigen, wo sie ihre ersten Bauchtanzschritte erlebt hatten.

Wer dann noch nicht genug hatte – und das waren immerhin über 300 Leute – fand sich ab 19.00 Uhr zur grossen ISIS-Jubiläumsgala im „Sternensaal“ in Bümpliz ein.

 

Bereits im Foyer versprühte Bianca, die Inhaberin der  Boutique „Al Baidaa“, mit ihrem umfangreichen, wunderschönen Tanzbekleidungungssortiement orientalisches Ambiente.

Wer für sein erstandenes Bauchtanzkleid dann noch einen passenden Schmuck suchte,  konnte diesen gleich am Nebentisch finden. Strassschmuck aus Pakistan - Geschmeide für Hals, Ohren und Finger – glitzerten verführerisch am Stand von Nathalie Chaudhary . 

 

Und gleich nebenan zeigte uns Mohamed aus Jordanien mit seinen Glasflaschen-Sandbildern etwas ganz und gar nicht Alltägliches. Nicht bloss, dass die Glasfläschchen handgefertigt waren, auch der Sand darin war naturfarben und nicht künstlich eingefärbt worden. Vor unseren staunenden Augen entstanden, unter seinen geschickten Händen und unter Zuhilfenahme eines kleinen Metalltrichters, die schönsten Wüstenbilder mit Palmen, kleinen Häusern, Kamelen und Beduinen.

 

Um 20.30 Uhr ging das Licht aus und die ISIS-Jubiläumsfeier wurde mit einem sehr stimmungsvollen Lichtertanz zur Musik „Khalik Hdaya“ von  Doris, Micaela, Nora und Ursula, der Choreographin eröffnet. Das Publikum war augenblicklich von den türkis-weiss-schwarz gekleideten Tänzerinnen gefesselt. Zwei davon tanzten mit dem Schleier, die beiden anderen liessen kerzenbeleuchtete Glasgefässe wie Lichtkugeln durch den Raum schweben. Die Frauen glichen Priesterinnen aus einer längst vergangenen Welt. Fotos Lichtertanz 3

 

Wir, die sechs Kursleiterinnen von ISIS, Bernadette Hofacker (Amira) Brigitte Niederhäuser (Sahar), Catherine Jüstrich (Farah), Marie-Anne Scherrer (Nabila), Nadja Sommerhalder (Nahila) und Ursula Essahbi (El Ham), holten die Gäste dann mit unserer Begrüssungs- und Vorstellungsrede wieder in die Realität zurück, natürlich zweisprachig, da viele Gäste aus der Romandie angereist waren. Foto Ansage Kursleitung

 

Der Abend aber sollte ganz dem Tanz gehören, daher hielten wir uns kurz und freuten uns auf die nächste Darbietung, die uns Farah (nach ihrer Idee entstand dieser Schleiertanz), Hedwig, Isabelle, Margarita, Regula und Suzanne zur Musik von Emad Sayyad: Raksat Habibi zeigten. Ich war beeindruckt vom hohen technischen Niveau und der sehr schönen Harmonie in dieser Gruppe, insbesondere weil ich wusste, dass diese Frauen noch nicht lange zusammen tanzen. Der begeisterte Applaus des Publikums bestätigte mein eigenes Empfinden. Fotos

 

Einen Abstecher in einen ganz anderen, folkloristischen Teil des orientalischen Tanzes, zeigten uns anschliessend Amira und die „beiden Christinen“ zur Musik Sahra Seadi von Metkaal Kenawe. Dieser sehr charmant und neckisch vorgetragene Krugtanz wurde von Amira choreographiert. Die originalgetreuen, langen, roten, weitschwingenden Röcke wurden  gekonnt eingesetzt und die farbigen Bommel des Kopfschmucks unterstrichen die Wirkung dieses fröhlichen Tanzes. Fotos

 

Ihr Solodebut gab Carmen zur Musik von Mostafa Sax. Zusammengekauert richtete sich die zierliche Frau mit schlangenartigen Bewegungen langsam auf. In wunderschönem tiefroten Kostüm, dekoriert mit goldenen Pailletten und Perlenfransen und den wunderschönen Trompetenärmeln hatte sie etwas von einer „bezaubernden Dschiny“. Fotos

 

„Gefährlich“ ging’s nun weiter mit Anita, Maja und Rita und ihrem Schwerttanz zur Music for Zeinat. Eindrücklich tanzten sie nach einer Choreographie von Amira diesen nicht einfachen Part und kleine Unsicherheiten wurden geschickt, charmant und spontan in die Darbietung eingeflochten. Das Publikum folgte mit gespannter Aufmerksamkeit und belohnte die drei Frauen mit viel Schlussapplaus. Fotos

 

Nach einer kurzen Pause dann der erste Teil der Mode-Show, der den selbstgemachten Kreationen gewidmet war. Der Ursprung dieser Idee entstammt der Bewunderung für all die Frauen, die mit Lust und Begabung ihre Kostüme selber entwerfen und nähen. Es war ein Genuss, die Kostüme mit all ihren prachtvollen Details anzuschauen. Die Fotos zeigen einen kleinen Ausschnitt dieser phantasievollen Werke. Fotos

 

Der zweite Teil der Mode-Show war dann für jene gedacht, die weder die nötige Zeit, noch die Lust verspüren Nadel und Faden selber in die Hand zu nehmen. Bianca Sommerhalder zeigte, vorgeführt von unseren ISIS-Models, was es Schönes in ihrer Boutique „Al Baidaa“ zu kaufen gibt. Fotos

 

Der nächste Show-Block wurde eröffnet von Simone. Sie tanzte nach der Choreographie von Farah denselben Tanz, der uns im ersten Teil bereits als Gruppentanz vorgetragen wurde. Sie zeigte damit effektvoll, dass trotz gleicher Musik und nahezu identischem Ablauf, ein neuer Tanz entstehen kann. Simones erster Auftritt als Solotänzerin wurde vom Publikum ebenso liebevoll wie begeistert kommentiert. Foto

 

Ein weiterer Stil des orientalischen Tanzes zeigten anschliessend Anita und Rita als Duo und danach Nadja in einem Solotanz. Sehr schön zu sehen war die Wechselwirkung zwischen dem stolzen Spanischen und dem geschmeidig Orientalischen. Die Choreographie (Musik: „Gipsy Flame“) der beiden Tänze stammt von Enussah und ich bin sicher, sie wäre stolz gewesen auf diese gekonnte Umsetzung ihres Werks. Fotos: Nahila; Rita; Anita

 

Und noch einmal gab’s einen Abstecher in die folkloristische Richtung. Nach einer Choreographie von Jasmin Jahal, bearbeitet von Amira, machten uns die „beiden Christinen“, Maja und Verena mit viel Talent, Humor und Charme klar, was sie unter „Ghawazee“  verstehen. Foto

 

Bei der nächsten Darbietung war ich (Nabila) mit dabei. Als „Big-Danceformation“ von neun Frauen (Cleo,  Doris, Lea,  Marie-Anne, Micaela, Nora, Sandra, Simone, Sonja) tanzten wir mit musikalischer Unterstützung von „Amr Diab’s Bitjuashni“ einen Schleiertanz mit grossem, rechteckigem Schleier. Ganz offensichtlich hatten nicht nur wir Spass dabei, auch das Publikum fand gefallen daran (Choreographie basierend auf einem Werk von Jasmin Jahal, Bearbeitung durch mich). Fotos

 

Damit klar wurde, dass wir ausser in schleierhaftem Schwelgen auch in rassigerer Tanzart zu Hause waren, zeigten wir danach „unser“ Solotrommelstück, dass wir zum ersten Mal vor Publikum vorführten. Freude und Erleichterung hielten sich deshalb beim Applaus die Waage. (Musik/Perkussion: Albert Buss, Choreographie von mir).

 

Der erste Höhepunkt des Abends bildete DJAMILA! Gleich vorneweg, das Publikum war hingerissen und es gab stehenden Applaus! Die ägyptischen Gäste – im speziellen natürlich der Tanzfan Azmy Mohamed – drückten lautstark ihre  Begeisterung aus und viele, der sonst  zurückhaltenderen Schweizer ZuschauerInnen, liessen sich von den Temperamentausbrüchen anstecken. Es war aber auch einfach zu schön, was DJAMILA uns da zeigte. In traumhaft weiblichem, pinkfarbenem Kostüm erlebten wir eine klassisch orientalische Darbietung, die keine Wünsche offen liess zur Musik von „Amani & Bassem Yazbek“. Das integrierte Trommelstück zur Musik von „Jalilah“ war ebenso begeisternd, und das Publikum mochte die ausserordentlich charmante und sympathische Künstlerin kaum von der Bühne lassen. Foto

 

Im dritten Teil unseres Show-Programms tanzten wiederum Schülerinnen aus meinen Klassen: Cleo,  Doris,  Lea,  Micaela,  Nora, Simone,  Sonja, Sandra, ich und meine „angeheiratete“ Tochter Selina. Diesen Schleiertanz hatte ich zu Beginn meiner Unterrichtstätigkeit entwickelt und über die Jahre hat er sich vom reinen Gruppentanz dann zum Duo-, bzw. zum Spiegelbild-Tanz verändert. Die Musik – von der Stimmung her eher etwas „altmodisch“ – stammt aus dem Libanon und wir tanzten das Stück „Rabia“ aus „Dances of the Harem“.

 

Nun zeigte uns Nahila – der Nachwuchs in unserem Kursleiterinnenteam – eine wunderschöne klassische Tanzroutine. Sie tanzte zur Musik „Hazar-Fazar“ und die Choreographie stammte von ihr selbst. Hingebungsvoll und für alle ersichtlich genoss sie die weichen Bewegungen ihrer Tanzdarbietung; dynamisch und teilweise verspielt zeigte sie sich im Trommelteil. Das Publikum belohnte sie mit viel Applaus. Foto

 

Und nun gehörte die Bühne der “grossen Dame” des ISIS-Teams. Virtuos tanzte Amira zur Musik „Karaat el finjan“, und die eleganten Bewegungen, die gekonnt eingesetzten Akzente, die immer wieder überraschenden Wendungen in ihrem Tanz machten klar, hier tanzt eine Meisterin. Völlig begeistert war ich – und es ging nicht bloss mir so – von ihrem Trommelsolo nach einer Choreographie von Jasmin Jahal zur Musik „Samya's Solo“. Das technisch teilweise sehr anspruchsvolle Trommelstück wurde von ihr mit soviel Präzision, Witz, Charme und Können getanzt, dass sich niemand ihrer „Show“ entziehen konnte. Unser Glück im ISIS, dass wir ein solche Tänzerin in unseren Reihen haben! Foto

 

Den krönenden Abschluss unserer ISIS-Jubiläumsfeier hatten wir DJAMILA zugedacht. Zweifellos eine gute Entscheidung und das Publikum liess sich noch einmal völlig von dieser wunderbaren Tänzerin hinreissen. Mit einem Leuchtertanz eröffnete sie ihre Darbietung zur Musik „Ya salam al balady“. DJAMILA tanzte mystisch und geheimnisvoll, spielte virtuos mit den Zimbeln und zeigte im Bodenteil witzige Pos(s)en.

 

Unter tosendem Beifall verschwand sie hinter der Bühne. Blitzschnell wurden Leuchter und Zimbeln abgelegt und das Kleid ausgezogen. Darunter trug sie ein sehr schönes einteiliges Kostüm aus weinrotem Samt, reich dekoriert mit Pailletten und so präsentierte sich DJAMILA nach wenigen Sekunden wieder ihrem Publikum.

Wie sie den „Balady“ sieht wurde schnell klar. Verspielte Akzente wechselten sich ab mit überraschenden Gesten, und ich machte mir inzwischen ernsthafte Sorgen um die Stimmbänder einiger anwesenden Gäste, die immer lauter ihrer Begeisterung Ausdruck verliehen. DJAMILA hat nach meinem Empfinden eine der wichtigsten Gaben einer „guten Bauchtänzerin“. Problemlos schafft sie es, ihr Publikum zu animieren, ohne jemals den dünnen Grat, der die richtige Distanz zwischen Verstehen und Missverstehen, schafft zu verlassen. Fotos

 

 

Die Show war zu Ende, wir alle sehr müde und sehr, sehr glücklich.

 

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